Legnoletto. Ein Projekt, das die Zeit überdauert
Ein Dialog über Entstehung, Vision und Aktualität einer Alias-Ikone, 25 Jahre nach ihrem Debüt.
Fünfundzwanzig Jahre nach seinem Debüt im Alias-Katalog bestätigt sich Legnoletto als ein Projekt, das die Zeit auf natürliche Weise überdauert und dabei die Kraft seiner ursprünglichen Vision bewahrt. Entstanden aus der Intuition eines jungen Designers, der sich mit einer für das Unternehmen damals unerwarteten Typologie auseinandersetzte, vereint Legnoletto formale Leichtigkeit und konstruktive Strenge in einem Gleichgewicht, das eher an Architektur als an Möbel erinnert. In diesem Interview geht der Designer auf die Entstehungsgeschichte des Projekts, den Dialog mit Alias und die Gründe für eine Aktualität ein, die auch nach Jahren noch immer das zeitgenössische Wohnen prägt.
Alias: Legnoletto entstand vor 25 Jahren: Welche ursprünglichen Ideen standen hinten dem Projekt und welche davon sind aus heutiger Sicht noch aktuell?
Alfredo Häberli: Alias war für mich in erster Linie ein Stuhlhersteller.
Der Katalog zeigte ikonische Modelle - Spaghetti Chair, Prima & Seconda, Frame, LaLeggera - die den Atem rauben konnten. Deshalb habe ich beschlossen, in eine damals noch unerforschte Nische des Katalogs einzugreifen: Das Bett. Das Ergebnis war ein echter Erfolg. Die Ausstellung von Legnoletto am Alias-Messestand war eine ebenso unerwartete wie bedeutende Überraschung.
Alias: Legnoletto vereint formale Leichtigkeit und konstruktive Präzision: Wie hast du das Gleichgewicht zwischen poetischem Ausdruck und industrieller Strenge entwickelt?
Alfredo Häberli: Ja, es geht um ein architektonisches Projekt. Wie ein Pergola, ein schattenspendendes Dach. Die Konstruktion ist wesentlich, aber die Innovation besteht in einem damals noch nie dagewesenen Element: Einem Bett aus Holz, das auf Sitzhöhe gebracht wurde.
Seine Leichtigkeit, vor allem die optische Leichtigkeit, die Idee des Schwebens, ist auch heute noch überraschend. Der Aluminiumfuß führt ein avantgardistisches Zeichen ein und verleiht dem Bett eine zeitgemäße und unverwechselbare Ausdrucksweise. Mit und für die Industrie zu arbeiten ist immer eine anspruchsvolle Herausforderung. Budget für die Werkzeuge, voraussichtliche Produktionsmengen, Erwartungen, Vision: Durch diesen kontinuierlichen Dialog entwickelt sich Schritt für Schritt ein Projekt.
Alias: Alias steht seit jeher für ein Labor der Materialexperimentierung: Welche Rolle spielte der Dialog mit dem Unternehmen bei der Entwicklung des Projekts?
Alfredo Häberli: Die experimentelle Forschung war typologischer Natur: Ein Bett aus Holz, hoch, tektonisch, anders. Die Verwendung von Holz auf so moderne Weise war eine Neuheit.
Alias: Ein Objekt, das die Zeit überdauert, ohne zu altern: Was macht Legnoletto deiner Meinung nach noch immer relevant für das zeitgenössische Wohnen?
Alfredo Häberli: Das Projekt Legnoletto ist nach wir vor unglaublich aktuell. Natürlich liegt das auch an seiner Flexibilität, die Farb- und Materialvariationen ermöglicht, aber vor allem an seiner formalen Qualität: Die Art der Schwebung und sein diskretes Charisma bestimmen seinen Charakter.
Alias: Wenn du Legnoletto heute neu entwerfen würdest, würdest du etwas verändern oder würdest du das Projekt weiterhin in seiner ursprünglichen Form belassen?
Alfredo Häberli: Legnoletto bleibt ein ikonisches Projekt und als solches verdient Respekt. Das 25-jährige Jubiläum bestätigt dies. Ich würde nichts daran ändern.